Kontakt
Newsletter

Struktur von NPO – die häufigsten Irrtümer

Nonprofit-Organisationen sind heute professionell geführt, gut organisiert und oft in einem komplexen Umfeld tätig. Die Versuchung ist gross, auf strukturelle Lösungen zu setzen – neue Gremien, zusätzliche Stellen oder differenzierte Organigramme. Doch gerade hier liegen einige der häufigsten Irrtümer. 

Dieser Beitrag zeigt auf, wo typische Denkfehler entstehen – und wie Organisationen zu klareren, wirksameren Lösungen kommen. 

Mehr Struktur als Antwort auf jedes Problem? 

Ein verbreiteter Reflex in NPO ist schnell beschrieben: Wenn etwas nicht funktioniert, wird eine neue Struktur geschaffen. 

  • Die Zusammenarbeit läuft nicht? → Neue Koordinationsstelle z.B. im Dachverband eine Koordinatorin für die Kantonalverbände 
  • Es fehlt an Knowhow? → Neue Kommission z.B. für Nachhaltigkeit oder digitale Transformation 
  • Ein neues Querschnittsthema taucht auf → neue Stabsstelle z.B. Assistenz für die Einführung neuer Mitarbeiter:innen 
  • Die Jahresrechnung schloss mit einem unerwartet hohen Verlust → neues Kontrollorgan z.B. Geschäftsprüfungskommission GPK 

Die Logik dahinter erscheint plausibel: Mehr Struktur schafft Klarheit. In der Praxis führt dies jedoch oft zum Gegenteil: mehr Abstimmungsaufwand, längere Entscheidungswege und geringere Verbindlichkeit. 

Gerade in NPO mit ehrenamtlichen Gremien oder knappen Ressourcen kann eine zunehmende Zahl von Kommissionen und Funktionen die Organisation verlangsamen statt stärken. Oft entfalten viele Gremien jedoch wenig Wirkung und schaffen zusätzliche Bürokratie und einen Mehraufwand v.a. für die Geschäftsstelle. Zudem neigen einmal geschaffene Strukturen dazu, sich fast nicht mehr abschaffen zu lassen. Die Personen bekleiden Ämter und Positionen und fühlen sich legitimiert, ihre Funktion weiter auszuüben, auch wenn der ursprüngliche Zweck nicht mehr gegeben ist bzw. mit anderen Methoden erreicht werden kann. 

Irrtum 1: Aufbauorganisation ist DIE Lösung 

Die Aufbauorganisation definiert, wer wofür zuständig ist – sie bildet das «Gerüst» der Organisation. Im Freiburger Management-Modell ist sie ein wichtiger Teil der Organisationsgestaltung, aber nicht der einzige. 

Ein häufiger Irrtum besteht darin, strukturelle Fragen vorschnell über neue Stellen oder Organe zu regeln. Doch viele Herausforderungen entstehen nicht aus fehlender Struktur, sondern aus unklaren Abläufen, fehlenden Instrumenten oder unzureichender Abstimmung. 

Typische Beispiele: 

  1. Mangelhaftes Finanzcontrolling → Eine Finanzkommission soll die Aufsicht verbessern 
  • Traktandenflut bei den Vorstandssitzungen à Ein Steuerungsausschuss soll die Geschäfte ordnen  
  • Neue Mitarbeitende / Ehrenamtliche werden schlecht in ihre Aufgaben eingeführt → Eine verantwortliche Stelle wird geschaffen 

Diese Probleme sind nicht immer struktureller Natur im Sinne der Aufbaulogik – sie betreffen vielmehr die Ablauforganisation, also die Frage: Wie arbeiten wir zusammen, d.h. in welcher Abfolge, mit welchen Instrumenten und durch wen, werden Aufgaben am zweckmässigsten erledigt? 

Irrtum 2: Gute Strukturen lassen sich kopieren 

Ein zweiter häufiger Irrtum: «Andere Organisationen machen es so – also passt es auch für uns.» 

In der Praxis beobachten wir oft, dass Strukturen «abgeschaut» werden: 

  • Übernahme von Kommissionsstrukturen grosser Verbände 
  • Kopieren von Organigrammen aus ähnlichen Organisationen 
  • Einführung neuer Rollen ohne klare Funktion 

Was dabei fehlt, ist das Verständnis für den Kontext: Strukturen entstehen nicht zufällig, sondern als Antwort auf spezifische Anforderungen – Grösse, Aufgaben, Ressourcen, Kultur. 

Das Freiburger Management-Modell macht deutlich, dass Organisationen als Gesamtsystem zu verstehen sind, in dem Strukturen, Prozesse und Instrumente zusammenspielen. Das «hauseigene» Räderwerk orientiert sich dabei an der Strategie, den spezifischen Aufgaben, der Kultur, den Ressourcen und der Grösse der Organisation. Isolierte Übernahmen greifen deshalb zu kurz. 

Irrtum 3: Komplexität erfordert komplexe Strukturen 

Gerade wachsende NPO neigen dazu, ihre steigende Komplexität mit immer differenzierteren Strukturen zu beantworten. 

Das Ergebnis: 

  • Mehr Gremien 
  • Mehr Schnittstellen 
  • Mehr Abstimmungsbedarf 

Doch Komplexität lässt sich nicht einfach «wegorganisieren». Im Gegenteil: Zu viele Strukturen erhöhen oft die Komplexität zusätzlich. 

Effektive Organisation bedeutet nicht, alles abzubilden – sondern das Wesentliche zu klären.  

Der bessere Weg: zuerst die richtigen Fragen stellen 

Bevor neue Strukturen geschaffen werden, lohnt sich ein Schritt zurück. Drei einfache Fragen helfen, eine zweckmässige Lösung zu generieren: 

1. Welches Problem lösen wir eigentlich? 

Nur wenn das Problem klar benannt ist, kann eine passende Lösung gefunden werden oder mit anderen Worten: Wenn xyz die Antwort sein soll, was ist dann die Frage? 

2. Lässt sich das Problem anders lösen? 

Oft liegt die wirksamere Lösung nicht in der Aufbauorganisation, sondern in: 

  • klareren Prozessen (z. B. Entscheidungsabläufe, Sitzungslogik, Ablauf einer Kursorganisation oder Prozess der Mitgliederaufnahme) 
  • einfachen Instrumenten (z. B. gemeinsame Planungsübersichten, Projektlisten – evtl. zum digitalen gleichzeitigen Bearbeiten freigeschaltet) 
  • klar definierten Rollen (Wer hat welche Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten?) 
  • Definierte Informationsflüsse (Wer informiert wen, wann über was?) 

3. Braucht es wirklich neue Funktionen oder Organe? 

Erst wenn klar ist, dass weder Prozesse noch Instrumente ausreichen, stellt sich die Frage nach zusätzlicher Struktur: 

  • Braucht es eine neue Rolle? 
  • Ist eine Kommission sinnvoll? 
  • Oder reicht eine punktuelle Projektorganisation? 

Oft zeigt sich: Die bestehende Struktur genügt – sie muss lediglich klarer genutzt werden. Hilfreich ist hier u.a. auch die Unterscheidung zwischen ständigen und temporären Strukturen. 

Fazit: So viel Struktur wie nötig – so wenig wie möglich 

Die Kunst guter Organisationsgestaltung liegt nicht im Aufbau möglichst differenzierter Strukturen, sondern in der bewussten Reduktion auf das Wesentliche. 

Eine wirksame NPO: 

  • hat klare, verständliche Strukturen 
  • arbeitet mit einfachen, verbindlichen Prozessen 
  • nutzt gezielt Instrumente zur Koordination 
  • schafft nur dort neue Gremien, wo sie echten Mehrwert bringen 

Oder anders gesagt: 
Nicht die Menge der Struktur entscheidet – sondern ihre Passung. 

Gerne unterstützen wir Sie dabei, Ihre Organisation kritisch zu reflektieren und tragfähige Lösungen zu entwickeln – pragmatisch, passgenau und wirksam. 

Holen Sie sich Expertenwissen!

7 praxiserprobte Kooperationsformen
für Ihre Organisation

Jetzt PDF herunterladen:
Über neue Zusammenarbeitsformen erfahren
und von fundierten Erkenntnissen profitieren.

Weitere Beiträge

Neuer Verband, neue Aufgaben, neue Herausforderungen und für kurze Zeit zwei Jobs gleichzeitig!

Nach vier Jahren beim EVS wagte ich den internen Wechsel zum SVDE. Warum dieser Schritt anspruchsvoller war als gedacht, welche neuen Aufgaben mich heute begleiten und weshalb sich der Sprung ins kalte Wasser trotzdem gelohnt hat, lesen Sie in diesem persönlichen Rückblick.

Neues Gesicht bei der B’VM

Wir bekommen Verstärkung und freuen uns über die neue B’VM-Power. Herzlich willkommen im Haus der Verbände Bern Tanja Allenbach.

Strategieretraite: So gelingt die Jahresplanung 2027 – und das Budget folgt wie von selbst 

Wer die Strategie- und Planungsretraite erst im Spätherbst ansetzt, plant oft unter Zeitdruck – und wundert sich, warum das Budget mehr Bauchgefühl als Kurs ist.

Veränderung wirksam gestalten statt nur bewältigen.

Neue Anforderungen, veränderte Erwartungen von Anspruchsgruppen, technologische Fortschritte oder interne Anpassungen zwingen Organisationen immer wieder dazu, Bestehendes zu hinterfragen und oft auch weiter zu entwickeln.

Wirklich gut ist gut gemeint und gut gemacht

Ein den Jahrzehnten meines Herumtummelns im weiten Feld gesellschaftlichen Engagements stiess und stosse ich immer wieder auf psychologische Einsichten und philosophische Einordnungen, die mir helfen, ein bisschen (mehr) zu verstehen.

Servicefach – die Drehscheibe zwischen Verband und Dienstleistung

Wer an einen erfolgreichen Kongress, eine reibungslos durchgeführte Mitgliederversammlung oder einen gelungenen Strategie-Workshop denkt, hat häufig die Referierenden auf der Bühne oder die Vorstandsmitglieder im Blick.

B’VM‑Expertise am von Graffenried NPO‑Seminar 2026

Am NPO Seminar 2026 von von Graffenried Treuhand referiert Barbara Iseli Sczepanski, Beraterin und Partnerin der B’VM, zum Thema „Zukunft Ehrenamt: gewinnen, begleiten, halten“. Sie zeigt praxisnah, wie Nonprofit Organisationen ihre ehrenamtliche Leitung stärken und Zusammenarbeit bewusst, wirksam und zukunftsorientiert gestalten können.

Open House am Bollwerk 15

Tür auf für Begegnungen Die B’VM lädt herzlich zum Kennenlernen unserer neuen Homebase am Bollwerk 15 ein – direkt gegenüber dem Berner Hauptbahnhof. Wir freuen uns auf Austausch, Vernetzung und spontane Gespräche bei einem feinen Apéro. Gleich anmelden und Dabeisein!

NutriDays 2026 – Jahreskongress des Schweizerischen Verbands der Ernährungsberater/innen

Beratung ist nur ein Teil unserer Arbeit: Die B’VM verantwortet auch die operative Führung mehrerer Verbandssekretariate. Ein Bericht von Andrea Roggo aus dem B’VM Servicefachteam zeigt, wie professionelle Geschäftsstellenarbeit wirkt: vorausschauend geplant, sorgfältig umgesetzt und mit passioniertem Engagement.

Vorsicht! Emotionen!

In unserer reizüberfrachteten Welt, geprägt unter anderem durch hate speech in den asozialen Medien und durch unbeherrschte Egomanen, wird das weit verbreitete Unvermögen, die eigenen Emotionen zu regulieren, immer offensichtlicher: Auf einen Reiz folgt unmittelbar eine Reaktion, ohne sich zügeln zu können (bzw. zu wollen). Viel Leid und Verletzung geschieht, weil gegen Trigger nicht vorgesorgt und mit Emotionen nicht bewusst umgegangen wird. Dabei kann Emotionsregulation sowohl individuell wie auch organisational gelernt werden.

Wir sind gerne für Sie da

Nutzen Sie das Kontaktformular, schreiben Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie einfach kurz an.

Schweiz

Deutschland

Österreich

Kontaktformular

Newsletter