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    "date": "2023-09-27T16:18:47",
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        "rendered": "&#8222;Entlernen \u2013 zwar einfach, aber nicht leicht&#8220; von Gastautor Kuno Roth"
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        "rendered": "<p><em>Die B&#8217;VM freut sich, mit Kuno Roth einen ersten Gastblogger zu begr\u00fcssen. Als <em>Co-Pr\u00e4sident einer NPO und selbst\u00e4<\/em>ndiger Berater teilt er hier seine Erfahrungen im Bereich des organisationalen Lernens mit Ihnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Es gibt leider nicht nur gute Gewohnheiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bekanntermassen lernen die meisten Menschen am besten durch \u00abLearning by doing\u00bb sowie durch \u00abVersuch und Irrtum\u00bb. Das Sprichwort \u00ab\u00dcbung macht den Meister\u00bb trifft den Kern des Erlernens von F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten aber auch von Gewohnheiten, und zwar sowohl f\u00fcr gute wie f\u00fcr schlechte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sind viele Gewohnheiten n\u00fctzlich und in der Form von Routinen f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung des Alltags teilweise auch notwendig. Allerdings k\u00f6nnen sich einige der Gewohnheiten als schlechte entpuppen, etwa weil sie der Gesundheit schaden. Und es gibt solche, die massenhaft gelebt der Umwelt schaden. Umweltschutz, der Sch\u00e4den aus gewohnheitsm\u00e4ssigem Verhalten mindern will, bedeutet somit im Prinzip&nbsp;<strong>angenommene Verhaltensweisen zu entlernen,&nbsp;<\/strong>d.h. sie aufzugeben oder umweltfreundliche einzu\u00fcben: \u00abUnlearning-by-doing-eine-neue-Gewohnheit\u00bb sozusagen. Solches als Ent- bzw. Umlernen ist zwar unspektakul\u00e4r und f\u00fcr den \u00abReal Change\u00bb n\u00f6tig, aber fast nicht zu schaffen. Denn: \u00ab<em>Old habits die hard<\/em>\u00bb, wie es treffend heisst. Dass \u00abVerhaltens\u00e4nderungs-Lernen\u00bb trotzdem gehen kann, zeigen Dan und Chip Heath in ihrem Buch \u00abSWITCH\u00bb (1). Sie haben f\u00fcnfzig F\u00e4lle realer Ver\u00e4nderungen in zwanzig L\u00e4ndern untersucht und daraus ein Modell aus drei Elementen abgeleitet, das solchen Umlernprozessen unterliegt:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>The Rider<\/strong>&nbsp;(das analytische Selbst, die Kognition): Er oder sie braucht Vorgaben und hat ein Ziel.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>The Elephant&nbsp;<\/strong>(der biographische Rucksack): Die eigene Tr\u00e4gheit verhindert \u00c4nderung. Es sei denn, man k\u00f6nne dem inneren Elefanten glaubhaft machen, dass das erste St\u00fcck Weg kinderleicht zu bew\u00e4ltigen ist. Schwenkt er einmal auf den neuen Kurs ein, r\u00fcckt er nicht so schnell wieder davon ab.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>The Path<\/strong>&nbsp;(der Weg zum Ziel): Weil jede Gewohnheits\u00e4nderung viel Tr\u00e4gheit zu \u00fcberwinden hat, muss der Weg zum Ziel in kleine Schritte unterteilt werden, so dass vor allem das erste Wegst\u00fcck bew\u00e4ltigbar scheint.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong>: Ein vorgeschlagener L\u00f6sungsweg muss dem Reiter zwar einleuchten, aber vor allem dem Elefanten als \u00abgef\u00fchlt machbar\u00bb erscheinen. Ver\u00e4nderung beginnt deshalb eher mit einem Gef\u00fchl<strong>,&nbsp;<\/strong>denn mit einer kognitiven Faktenerfassung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Veranschaulicht am einfachen Beispiel \u00abWohnung aufr\u00e4umen wollen (und das nie schaffen)\u00bb sieht das Modell so aus: Das Ziel leuchtet ein, weil es dem eigenen Bed\u00fcrfnis entspricht. Also stellt sich die Frage, wie man seinen \u00abAntiputz-Elefanten\u00bb in Bewegung bringt: Den als lang empfundenen Weg in machbare Schritte zerlegen. Daf\u00fcr macht man z.B. mit sich ab, jeden Tag f\u00fcnf Minuten aufzur\u00e4umen. Nicht mehr! Diese&nbsp;<em>quantit\u00e9 n\u00e9gligeable<\/em>&nbsp;l\u00e4sst den Elefanten glauben, das zu schaffen \u2013 und er macht\u2019s. Und er freut sich mit der Zeit, dem Ziel n\u00e4her zu kommen. Die Dosis kann in der Folge ggf. erh\u00f6ht werden. Diese Methode ist bekannt als \u00ab<a href=\"http:\/\/www.janellepublications.com\/1106.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">5-Minutes Therapy<\/a>\u00bb und kann auf andere Bereiche \u00fcbertragen werden (und f\u00fcr eine \u00abNeue-Gewohnheitsroutine\u00bb siehe Kasten).<\/p>\n\n\n\n<p>Zweites Beispiel: Ein britischer Entwicklungshelfer bekam vom vietnamesischen Aussenministerium den Auftrag, die verbreitete Fehlern\u00e4hrung unter Kinder zu bek\u00e4mpfen. Es beschied ihm, er habe sechs Monate Zeit \u00abto make a difference\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ging in ein Dorf, in dem seine Organisation t\u00e4tig war, wandte sich an die M\u00fctter und fragte sie, ob es in ihrem Dorf gesunde Kinder g\u00e4be oder ob alle krank seien. Es gab in der Tat einige gesunde Kinder. Seine Strategie war nicht die \u00fcbliche \u00ab<em>to anlayse the problem and to fix it<\/em>\u00bb, sondern die hellen Flecken im Dunkeln \u2013 \u00abthe bright spots\u00bb \u2013 n\u00e4her anzuschauen. Also fragte er sich, was die Familien mit gesunden Kindern anders machen als jene mit kranken. Er fand heraus, dass diese Kinder vier statt nur zwei Mal am Tag assen, zwar die gleiche Menge aber in kleineren vertr\u00e4glichen Portionen. Zudem f\u00fcgten sie dem Reis protein- und vitaminhaltige Garnelen und S\u00fcsskartoffelgr\u00fcn bei. Statt wie \u00fcblicherweise nun einen Kurs zu organisieren, mit dem ein Wissender den Unwissenden richtig zu kochen beizubringen versuchen w\u00fcrde, engagierte er \u00abBright-Spot-M\u00fctter\u00bb, die mit M\u00fcttern kranker Kindern zusammen kochten und ihnen zeigten, wie sie es machen. So wurde mit \u00abwas meinesgleichen kann, kann ich auch\u00bb diesen M\u00fcttern ein machbarer erster Schritt gezeigt und damit der Weg zur Verhaltens\u00e4nderung geebnet. Sechs Monate nach dem ersten Besuch des Entwicklungshelfers waren 65% der kranken Kinder im Dorf besser ern\u00e4hrt (siehe&nbsp;ganze Story \u00ab<a href=\"https:\/\/www.fastcompany.com\/1514493\/switch-dont-solve-problems-copy-success\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Look for the bright spot and copy it<\/a>\u00bb).<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein drittes Beispiel aus dem Buch \u00abSwitch\u00bb: Eine Forscherin untersuchte, wie es Dompteure schaffen, Affen dazu zu bringen, die ihnen nicht gegebene F\u00e4higkeit \u00abSkateboardfahren\u00bb zu lernen. Resultat: Mittels konsequenter Belohnungsstrategie, das heisst, jeder Schritt in die richtige Richtung wurde mit einer Mango belohnt, falsches Tun einfach ignoriert. Die Forscherin testete diese Erkenntnis an ihrem Mann: Statt ihn wegen seines ungen\u00fcgenden Sockenmanagements zu kritisieren und zu belehren, lobte sie ihn nur noch f\u00fcr jedes Anzeichen guten Verhaltens. Nach kurzer Zeit war der jahrelange Kampf vorbei. Der Mann bekam seine Socken in den Griff.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei aller Vorsicht damit, aus tierischem Verhalten Schl\u00fcsse auf den Menschen zu ziehen, gehen modernes Coaching und Leadership in eben diese Richtung:&nbsp;<strong>Ressourcenf\u00f6rderung statt Problemorientierung<\/strong>. Also anstatt Untergebene oder Kolleg*innen bei Fehlverhalten zu tadeln, sie bei guten Taten zu \u00abertappen\u00bb und darin zu best\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>PS:<\/strong> Es gibt \u00fcbrigens noch ein \u00e4hnliches Modell f\u00fcr \u00abVerhaltens\u00e4nderungs-Lernen\u00bb, das der Psychologe Matthias Hammer entwickelt hat. Er nennt es&nbsp;<strong>MICRO<\/strong>-Habits (2), das aus f\u00fcnf Schritten besteht:&nbsp;<strong>M<\/strong>erken \u2013&nbsp;<strong>I<\/strong>ntention finden \u2013&nbsp;<strong>C<\/strong>omplicationen managen \u2013&nbsp;<strong>R<\/strong>outine aufbauen \u2013&nbsp;<strong>O<\/strong>hne Vorwurf. Die ersten zwei Schritte entsprechen dem \u201eRider\u201c, im dritten Schritt l\u00e4sst sich der&nbsp;Path&nbsp;erkennen und der vierte ist dem Elefanten \u00e4hnlich.&nbsp;Ohne Vorwurf sich selbst ein guter Coach sein&nbsp;erlaubt auch mal einen R\u00fcckfall. Hammer meint, dass mit diesen f\u00fcnf Schritten jede*r sch\u00e4dliches Verhalten zum Positiven ver\u00e4ndern und damit umlernen kann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Zwei-Minuten-Arbeitsstart<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie etwas Optimismus in den Arbeitstag bringen? Hier eine zweimin\u00fctige \u00dcbung, die jeden Morgen vor Arbeitsbeginn gemacht werden kann.&nbsp;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Auf Papier oder im Kopf eine Antwort auf jeden der drei S\u00e4tze formulieren:<\/em><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Heute werde ich mich auf _____ konzentrieren.<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Heute bin ich dankbar f\u00fcr _____.<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Heute werde ich _____ loslassen (bzw. sein lassen).<\/em><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><em>Im Schnitt sind wir 1\u2019000 Minuten pro Tag wach. Zwei davon investieren, um unser Gehirn auf positiv zu \u00abframen\u00bb, verbessert die Qualit\u00e4t der anderen 998 Minuten. (Quelle: \u00ab<a href=\"https:\/\/hbr.org\/2021\/01\/this-two-minute-morning-practice-will-make-your-day-better?utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter_daily&amp;utm_campaign=mtod_notactsubs\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">This Two-Minute Morning Practice Will Make Your Day Better<\/a>\u00bb, by Neil Pasricha)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>(1) Chip und Dan Heath: \u00abSwitch: Ver\u00e4nderungen wagen und dadurch gewinnen!\u00bb, Scherz Verlag (2011),&nbsp;siehe Besprechung&nbsp;<a href=\"https:\/\/oe1.orf.at\/artikel\/275485\/Switch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>(2)&nbsp;Matthias Hammer:&nbsp;\u00abMicro Habits \u2013 Wie Sie sch\u00e4dliche Gewohnheiten stoppen und gute etablieren<strong>\u00bb<\/strong>, mvg verlag (2019), mehr dazu&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.matthiashammer.de\/buecher\/micro-habits\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<p><em>Diese Artikel von Kuno Roth sind bereits im B&#8217;VM Blog erschienen:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.bvmberatung.net\/lernen_von_seinesgleichen-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">&#8222;Lernen von Seinesgleichen&#8220;<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bvmberatung.net\/lernerfolg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>\u201eLernerfolg und -transfer: Wie messen?\u201c<\/em><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>",
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